Epistemik in der Hörgeräteberatung

Das subtile Ausblenden klienten-initiierter Relevanzen

Publikation: Bidrag til bog/antologi/rapport/konference-proceedingBidrag til bog/antologiForskningpeer review

Resumé

In Deutschland verwenden weniger als 20% der Menschen mit Hörbehinderung ein Hörgerät, obwohl es für die meisten die einzige medizinisch-technologische Hilfe darstellt. Die Zahl der Patient/innen, die zwar eine/n HNO-Arzt/Ärztin oder eine/n Hörgeräteakustiker/in kontaktieren, jedoch die Versorgung mit einem Hörgerät letztendlich nicht annehmen, liegt bei 88%. Daher ist Ziel dieser konversationsanalytischen Studie herauszufinden, ob in der Hörgeräteberatung interaktionelle Probleme auftreten, die zur mangelnden Verwendung von Hörgeräten beitragen können. Die Analyse von 12 Stunden authentischer Videoaufnahmen zeigt einen problematischen Umgang des Hörgeräteakustikers mit spezifischen Wissensbereichen der Klient/innen. Wenn von Klient/innen Abweichungen vom professionellen Gesprächsverlauf initiiert werden, reagiert der Hörgeräteakustiker unterschiedlich, je nachdem, um welche Wissensbereiche es sich handelt. Er geht auf technische Probleme mit dem Hörgerät problemlösend ein. Ausschweifungen der Klient/innen über Themen, die außerhalb der Relevanz der Hörgeräteberatung liegen (Small Talk), nimmt er zuhörend oder kommentierend auf. In diesen Bereichen wird epistemisch Übereinstimmung hergestellt. Im Gegensatz dazu ist ein problematischer Umgang mit zwei Wissensbereichen der Klient/innen festzustellen. 1. Wenn Klient/innen psycho-soziale Probleme bezüglich der Verwendung von Hörgeräten einbringen, geht der Hörgeräteakustiker nicht darauf ein. 2. Wenn Klient/innen eine eigenständige Bewertung von Technologie formulieren, insistiert der Hörgeräteakustiker auf seiner professionellen Einschätzung und somit auf seiner epistemischen Autorität, selbst wenn seine Einschätzung mit der des Klienten übereinstimmt. Dieses Ergebnis trägt zur Erforschung der Faktoren bei, die den Zusammenhang zwischen audiologischer Beratung und Klientenentscheidungen fokussieren.
OriginalsprogTysk
TitelWissen in institutioneller Interaktion
RedaktørerInga Harren, Alexandra Groß
Udgivelses stedFrankfurt/Main
ForlagPeter Lang
Publikationsdato2016
Sider27-56
ISBN (Trykt)978-3-631-65533-7
ISBN (Elektronisk)978-3-653-97964-0
DOI
StatusUdgivet - 2016
NavnForum Angewandte Linguistik
Vol/bind55
ISSN0937-406X

Fingeraftryk

Hearing Aids
Referral and Consultation

Citer dette

Egbert, M. (2016). Epistemik in der Hörgeräteberatung: Das subtile Ausblenden klienten-initiierter Relevanzen. I I. Harren, & A. Groß (red.), Wissen in institutioneller Interaktion (s. 27-56). Frankfurt/Main: Peter Lang. Forum Angewandte Linguistik, Bind. 55 https://doi.org/10.3726/978-3-653-04973-2
Egbert, Maria. / Epistemik in der Hörgeräteberatung : Das subtile Ausblenden klienten-initiierter Relevanzen. Wissen in institutioneller Interaktion. red. / Inga Harren ; Alexandra Groß. Frankfurt/Main : Peter Lang, 2016. s. 27-56 (Forum Angewandte Linguistik, Bind 55).
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Epistemik in der Hörgeräteberatung : Das subtile Ausblenden klienten-initiierter Relevanzen. / Egbert, Maria.

Wissen in institutioneller Interaktion. red. / Inga Harren; Alexandra Groß. Frankfurt/Main : Peter Lang, 2016. s. 27-56 (Forum Angewandte Linguistik, Bind 55).

Publikation: Bidrag til bog/antologi/rapport/konference-proceedingBidrag til bog/antologiForskningpeer review

TY - CHAP

T1 - Epistemik in der Hörgeräteberatung

T2 - Das subtile Ausblenden klienten-initiierter Relevanzen

AU - Egbert, Maria

PY - 2016

Y1 - 2016

N2 - In Deutschland verwenden weniger als 20% der Menschen mit Hörbehinderung ein Hörgerät, obwohl es für die meisten die einzige medizinisch-technologische Hilfe darstellt. Die Zahl der Patient/innen, die zwar eine/n HNO-Arzt/Ärztin oder eine/n Hörgeräteakustiker/in kontaktieren, jedoch die Versorgung mit einem Hörgerät letztendlich nicht annehmen, liegt bei 88%. Daher ist Ziel dieser konversationsanalytischen Studie herauszufinden, ob in der Hörgeräteberatung interaktionelle Probleme auftreten, die zur mangelnden Verwendung von Hörgeräten beitragen können. Die Analyse von 12 Stunden authentischer Videoaufnahmen zeigt einen problematischen Umgang des Hörgeräteakustikers mit spezifischen Wissensbereichen der Klient/innen. Wenn von Klient/innen Abweichungen vom professionellen Gesprächsverlauf initiiert werden, reagiert der Hörgeräteakustiker unterschiedlich, je nachdem, um welche Wissensbereiche es sich handelt. Er geht auf technische Probleme mit dem Hörgerät problemlösend ein. Ausschweifungen der Klient/innen über Themen, die außerhalb der Relevanz der Hörgeräteberatung liegen (Small Talk), nimmt er zuhörend oder kommentierend auf. In diesen Bereichen wird epistemisch Übereinstimmung hergestellt. Im Gegensatz dazu ist ein problematischer Umgang mit zwei Wissensbereichen der Klient/innen festzustellen. 1. Wenn Klient/innen psycho-soziale Probleme bezüglich der Verwendung von Hörgeräten einbringen, geht der Hörgeräteakustiker nicht darauf ein. 2. Wenn Klient/innen eine eigenständige Bewertung von Technologie formulieren, insistiert der Hörgeräteakustiker auf seiner professionellen Einschätzung und somit auf seiner epistemischen Autorität, selbst wenn seine Einschätzung mit der des Klienten übereinstimmt. Dieses Ergebnis trägt zur Erforschung der Faktoren bei, die den Zusammenhang zwischen audiologischer Beratung und Klientenentscheidungen fokussieren.

AB - In Deutschland verwenden weniger als 20% der Menschen mit Hörbehinderung ein Hörgerät, obwohl es für die meisten die einzige medizinisch-technologische Hilfe darstellt. Die Zahl der Patient/innen, die zwar eine/n HNO-Arzt/Ärztin oder eine/n Hörgeräteakustiker/in kontaktieren, jedoch die Versorgung mit einem Hörgerät letztendlich nicht annehmen, liegt bei 88%. Daher ist Ziel dieser konversationsanalytischen Studie herauszufinden, ob in der Hörgeräteberatung interaktionelle Probleme auftreten, die zur mangelnden Verwendung von Hörgeräten beitragen können. Die Analyse von 12 Stunden authentischer Videoaufnahmen zeigt einen problematischen Umgang des Hörgeräteakustikers mit spezifischen Wissensbereichen der Klient/innen. Wenn von Klient/innen Abweichungen vom professionellen Gesprächsverlauf initiiert werden, reagiert der Hörgeräteakustiker unterschiedlich, je nachdem, um welche Wissensbereiche es sich handelt. Er geht auf technische Probleme mit dem Hörgerät problemlösend ein. Ausschweifungen der Klient/innen über Themen, die außerhalb der Relevanz der Hörgeräteberatung liegen (Small Talk), nimmt er zuhörend oder kommentierend auf. In diesen Bereichen wird epistemisch Übereinstimmung hergestellt. Im Gegensatz dazu ist ein problematischer Umgang mit zwei Wissensbereichen der Klient/innen festzustellen. 1. Wenn Klient/innen psycho-soziale Probleme bezüglich der Verwendung von Hörgeräten einbringen, geht der Hörgeräteakustiker nicht darauf ein. 2. Wenn Klient/innen eine eigenständige Bewertung von Technologie formulieren, insistiert der Hörgeräteakustiker auf seiner professionellen Einschätzung und somit auf seiner epistemischen Autorität, selbst wenn seine Einschätzung mit der des Klienten übereinstimmt. Dieses Ergebnis trägt zur Erforschung der Faktoren bei, die den Zusammenhang zwischen audiologischer Beratung und Klientenentscheidungen fokussieren.

U2 - 10.3726/978-3-653-04973-2

DO - 10.3726/978-3-653-04973-2

M3 - Bidrag til bog/antologi

SN - 978-3-631-65533-7

SP - 27

EP - 56

BT - Wissen in institutioneller Interaktion

A2 - Harren, Inga

A2 - Groß, Alexandra

PB - Peter Lang

CY - Frankfurt/Main

ER -

Egbert M. Epistemik in der Hörgeräteberatung: Das subtile Ausblenden klienten-initiierter Relevanzen. I Harren I, Groß A, red., Wissen in institutioneller Interaktion. Frankfurt/Main: Peter Lang. 2016. s. 27-56. (Forum Angewandte Linguistik, Bind 55). https://doi.org/10.3726/978-3-653-04973-2